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Samstag, 5. November 2011

Star Trek: die umstrittene Folge

Raumschiff Enterprise: "Schablonen der Gewalt" (1968)


Die Enterprise wird auf den Planeten Ekos geschickt, um nach dem Kulturforscher John Gill zu suchen. Captain Kirk und Mr. Spock bietet sich dort ein schreckliches Bild: Die Ekosianer sind allesamt Nazis, die die Zeonisten unterjochen und kurz vor deren kompletter Ausrottung, der Endlösung, stehen. Die Enterprise-Crew will nun versuchen, diesem Alptraum ein Ende zu setzen...

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Das erste, das ich dachte, als ich diese Folge heute auf zdf_neo sah, war, das "Zeon" doch eindeutig eine Anlehnung an "Zion" ist, und das die "Zeonisten" die Juden darstellen. Klar. Geht es doch um das Naziregime mitten im Universum, und darum, das jemand diese schreckliche Geschichte wiederholt. Aber es steckt noch viel mehr dahinter: der Kulturbeobachter Gill wird von einem machtbesessenen, größenwahnsinnigen Ekosianer unter Drogen gesetzt und wie eine Marionette als "Führer" dieser Bewegung mißbraucht. Die Zeonisten sind in diesem Fall Pazifisten, die lieber sterben als jemand anderem Leid zuzufügen - und doch setzen sie sich letztendlich, nachdem Kirk und Spock so strikt und listig gegen die Nazis - oder in diesem Fall die Nazi-Eskorianer, aber das bleibt sich wohl gleich - vorgehen, endlich für ihre Freiheit, ihr Leben ein.

Viel Gewalt gibt es in diesem Sinne nicht - nicht mehr als in jeder anderen Enterprise-Episode von damals. Ich habe weitaus brutalere Folgen gesehen, das sei mal erwähnt. Aber die Idee, das in einer (nicht mehr ganz so) fernen Zukunft ein sich Gott gleichstellender Wahnsinniger auf den Gedanken kommt, ein zweites Drittes Reich errichten zu wollen... ja, das hat etwas nicht nur Alptraumhaftes, nein, das hat etwas Erschreckendes, Angsteinflößendes!

Warum umstritten? Nun, da ich nicht wirklich Anhänger der Enterprise-Fraktion bzw. ein Trekkie in dem Sinne bin (ich mag nur die "Next Generation" und ihren unwiderstehlich charmanten Captain Picard), kann ich mir das nur zusammenreimen. Der Gedanke hinter Star Trek ist in erster Linie die Toleranz und Akzeptanz aller Lebensformen - ob man sie versteht oder nicht, sympathisch findet oder nicht, mit ihnen sprechen kann oder nicht... Die Enterprise als Forschungsschiff und die Besatzung somit eher wissenschaftlich angehaucht ist ja entsandt worden, um den Weltraum nur zu erkunden, nicht zu erobern oder zu missionieren. Somit besagt - ja, ja, so viel weiß ich schon! ;) - die Satzung der Föderation ja eindeutig, sich in das Geschehen und den Ablauf eines fremden Planeten und seiner Bewohner nicht einzumischen, sondern nur zu beobachten.
 In dieser Folge wurde davon ausgegangen - nachdem klar wurde, das der Kulturforscher John Gill der Führer der Eskorianer wurde - das sich doch in den Ablauf, das Leben eines Planeten eingemischt worden war. Und zwar so entscheidend, das nicht nur der Ablauf einer Spezies beeinflußt worden ist, sondern auch gleich noch eine andere Spezies ausgerottet werden sollte. Das ist natürlich ein strikter Verstoß gegen die Satzung der Föderation - doch allein deshalb ist diese Folge wohl kaum umstritten!

Liegt es daran, das sich ein Drehbuchautor diese Geschichte erdacht hat, das es ein zweites Drittes Reich geben könnte? Liegt es allein daran, das es um das Nazitum geht? Das dieses Thema zu tiefgreifend, zu heikel ist, um von einer Science-Fiction-Serie aufgegriffen zu werden? Oder waren es die unglücklich gewählten Dialoge, die zu oberflächlich mit der ganzen Sache umzugehen scheinen?

Ich mag zu wenig Trekkie sein, um das beantworten zu können. Doch ich bin genug Mensch um zu sagen, das ich keineswegs finde, das diese Geschichte dort Fehl am Platz war. Sicher, man hätte diese Story besser auf zwei Folgen (oder mehr) ausdehnen sollen, und das hätte noch nicht gereicht. Ja, der Meinung bin ich. So wurde an der Oberfläche gekratzt, ohne das mehr darauf eingegangen wurde, wie es denn dazu hatte kommen können, das ein Kulturbeobachter/-Forscher eine Art (nicht beabsichtigtes) schreckliches Experiment durchführen wollte, das alle diesem einen "Führer" gehorchten. Sicher, man mag nun anfangen darüber zu spekulieren, nachzudenken, wie es denn in der Realität war, wie es denn "damals" war, in Nazi-Deutschland. Zur Zeit vor dem zweiten Weltkrieg - wie konnte es dazu kommen? Doch ich glaube nicht, das das die Frage beantworten wird, wieso diese Folge so umstritten ist. Und: soll man sie denn "unpäßlich" finden? Darf man sich denn das Recht rausnehmen zu sagen, das man es gut findet, das das Thema auch dort, auch in einer so fantasievollen Serie aufgenommen und auf diese Weise dargestellt wurde?

Es gibt gegen Ende, als Dr. McCoy (Pille) John Gill ein Aufbauserum gespritzt hat, einen kurzen Dialog zwischen den Protagonisten, in denen Gill gefragt wird, wieso er das zugelassen hat. Dieser antwortet, das am Anfang alles funktioniert hat, wie er es sich erwünscht hatte: einen friedlichen Nazi-Staat aufzubauen, denn diese Ideologie wäre die wirkungsvollste Staatsform... Ups, dachte ich da. Und dann: da hat einer aber nicht genau nachgedacht! Vielleicht wird es dieser Star-Trek-Folge damals so ergangen sein: die Dialoge waren meiner Meinung nach ein wenig unglücklich gewählt, denn sie sollten ja den üblichen Enterprise-Witz versprühen, unterhalten und dennoch nicht unmenschlich über dieses Thema hinweggehen. Man wollte wohl die tiefgreifende Dramatik rüberbringen und dennoch die Kurzweiligkeit, für die die Serie nun mal steht, nicht außer Acht lassen...

Ich lasse das mal offen. Die Folge war für mich persönlich sehr interessant. Man wird sie so oft nicht mehr zu sehen bekommen - nicht im Fernsehen jedenfalls. Aus cineastischer Sicht ein Leckerbissen! Aus menschlicher Sicht ein Fauxpas, denn wie gesagt wurde da an etwas gekratzt, das hinterher noch mehr juckt.
 Davon mal ganz ab gab es das Thema immer wieder in der Serie. Man denke an "Der Zorn des Khan", den 2. Star-Trek-Film. Dieser Khan, wenn ich mich recht entsinne, wollte auch die Weltherrschaft an sich reißen und alle Lebewesen unterjochen. Oder "Am Rande des Universums" als die Enterprise-Crew auf ein Wesen stößt, das sich als Gott ausgibt... dieses Wesen will vielleicht nicht alle anderen Lebewesen ausrotten, aber es will sie in seinem Sinne formen und an sich binden, damit es selber nicht mehr alleine ist. Auch das ist die Unterdrückung des Individuums an sich!
 Somit ist das Thema "Ausrottung der Indivudualität" nicht neu für Star Trek. Oder sag mal so: es wird immer wieder aufgegriffen.

An dieser Stelle möchte ich enden und alles offen lassen. Wer die Möglichkeit haben sollte, sich diese Folge anzusehen, sollte dies unbedingt tun und sich sein eigenes Urteil bilden!

Ich lehne jedwede Form der Unterdrückung der Individualität ab! Rechte/Nazis sind für mich ein rotes Tuch, und ich will und werde auf dieses Thema auch nicht näher eingehen! Ich bin politisch interessiert und bilde mich diesbezüglich weiter, aber ich muß nicht über alles immer und immer wieder meine Gedanken dazu niederschreiben. Diese Folge allerdings hat mich inspiriert, mal wieder etwas intensiver über ein unbequemes Thema nachzudenken.

In diesem Sinne: erforschen erlaubt, erobern nicht! ;)

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