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Freitag, 13. April 2012

... denn sie wissen nicht, was sie tun



Drama
USA 1955
Regie: Nicholas Ray
Darsteller: James Dean, Natalie Wood, Sal Mineo, Jim Backus


Gerade mit seinen Eltern nach Los Angeles gezogen, landet Jim Stark betrunken auf der Polizeiwache, wo er die gleichaltrige Judy und den introvertierten Plato trifft. Jims Versuche, sich unter seinen Klassenkameraden beliebt zu machen, schlagen fehl, und nach einem gefährlichen Autorennen, bei dem Buzz - der Anführer der Halbstarken - ums Leben kommt, gerät nicht nur Jims Leben aus den Fugen.
In einer Nacht, in der die drei Jugendlichen in einer einsamen Villa ihren Träumen und Hoffnungen nachhängen, entwickelt sich die Lage zu Katastrophe...

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Bis heute ein unerreichter Klassiker des Jugend-Dramas! Das zeitlose Thema, das hier angesprochen wird, hat heute ebenso viel Gewicht wie in den 50er Jahren.

SPOILER!

Die sich ständig streitenden Eltern von Jim, der devote Vater, der sich von der dominanten, zänkischen Mutter immerzu herumkommandieren und unterdrücken läßt, rauben Jim die Möglichkeit, seine Wurzeln zu finden und Fuß zu fassen. Hin- und hergerissen zwischen Liebe und Hass zu seinem Vater rebelliert der Junge auf seine Art, indem er sich absondert und wohl viel zu früh erwachsen geworden ist. Somit übernimmt er für den in sich gekehrten und sich verloren fühlenden John "Plato" Crawford ungewollt die Vaterrolle, was ihn wiederum ein Stück weit seiner selbst und seiner kindlichen Naivität beraubt.

Judy - hervorragend und einfühlsam verkörpert von Natalie Wood - ist ein 16jähriges Mädchen, das um die Liebe ihres Vaters buhlt. Dieser wendet sich ab, da sie ihm für die kindlichen Zärtlichkeiten entwachsen scheint, wobei Judy doch nur das sein will: das Kätzchen im Körbchen, wohlbehütet und geliebt von ihrem Vater. Doch der Vater richtet seine Aufmerksamkeit mehr auf den jüngeren Bruder, der noch verspielt und verschmust sein darf, ist er doch noch ein Kind - und ebenso fühlt sich Judy, doch dem wird keine Beachtung geschenkt und ihre innere Zerrissenheit, die Wut und Traurigkeit über ihr Erwachsenwerden und die Nicht-Beachtung des Vaters, wächst stetig an und findet erst Ruhe, als sie Zuwendung von Jim erfährt.

John "Plato" Crawford, dessen Mutter nach dem Tod des Vaters geschäftlich immer in anderen Städten unterwegs ist, fühlt sich alleingelassen und einsam. Mit niemandem kann er sprechen, niemandem sich anvertrauen - er ist ein Außenseiter par excellence. Als er auf Jim und Judy trifft, wünscht er sich nichts sehnlicher, als diese beiden zu seinen Freunden zu haben, mehr noch: er wünscht sich, sie könnten seine Eltern sein. Diese tiefe Sehnsucht nach elterlicher Liebe und Zuneigung ist das, was die drei Jugendlichen schlichtweg vereint.

Für einen Moment, als die drei jungen Erwachsenen in der Nacht nach dem tödlichen Autounfall von Buzz verstört Zuflucht in einer verlassenen Villa am Stadtrand suchen, vereinen sich drei verlorene Seelen und finden Halt und Trost. All das, wonach sie sich in ihrem alltäglichen Leben sehnen, erfahren sie hier miteinander in Gesten zwischenmenschlicher Wärme, in freundschaftlichen Worten und liebevollem Beisammensein. Doch leider währt die heile Welt, die sie für einen Augenblick betreten durften, nicht ewig.

Spätestens als Plato Jim seinen Revolver zeigt, nehmen die Dinge ihren unkontrollierbaren und schicksalhaften Lauf. So sehr sich Jim auch bemüht, den verwirrten Jungen davon abzuhalten etwas Unüberlegtes zu tun, so mehr scheint Plato verwirrt über all die neuen Eindrücke und Erfahrungen, die er an diesem ereignisreichen und hoch emotionellen Tag erfahren hatte. Mehr und mehr verstrickt sich der junge Mann in ungewollte Ereignisse, bringt sich immer mehr in die Bredoullie, bis das unvermeidliche Schicksal gnadenlos zuschlägt.

Doch im Nachhinein, gleich wie alt dieses Machwerk des Jugend-Dramas auch sein mag, fragt man sich als Zuschauer immer wieder: hätte das nicht vermieden werden können? Die Polizei, die anrückte und wußte, das sich drei Jugendliche - und nur Jugendliche! - in der alten Villa befanden, griff ungehemmt zu ihren Waffen und streckte dort einen jungen Mann nieder, der nur verstört und einsam war, nicht boshaft, nicht kriminell. Der bittere Beigeschmack der Verzweiflung bleibt dem Zuschauer am Ende dieses Werkes im Halse stecken, man möchte selber eingreifen, eine andere Wendung herbeiführen. Doch eben genau dieser Schluss ist es, der diesen Film zu dem gemacht hat, was er ist: ein Paradebeispiel für die Probleme und Nöte, die Sorgen und Sehnsüchte der Jugendlichen.

Nicht nur James Deans intensives Spiel und der für ihn damit errungene Status zum Ausnahme-Schauspieler sind Grund, sich diesen Film immer mal wieder anzusehen. Je älter man wird, deso fremder erscheint einem doch die Welt der Jugend - als hätte man das nicht alles selber schon erlebt, als hätte man nicht ebensolche Träume und Hoffnungen gehegt. Zu sehr ist der Erwachsene mit seinen Sorgen beschäftigt, statt sich damit auseinanderzusetzen, wie es einem selber mal ergangen ist, als man noch jünger war. Dieser Film zeigt nicht nur die Probleme der Jugendlichen auf, brisant und von großer Tragweite, sondern führt einem vor Augen, das es diese zu jeder Zeit gab und geben wird.

Zeitlos und immer noch aktuell - ein Klassiker, den man gesehen haben muss!


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